Ratlos auf 1650 Metern Höhe

Teilweise fassungslos erleben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Rauschberg, wie sich Besucher in dieser Zeit ignorant verhalten.

Wer hätte sich im Januar vorstellen können, dass es im März einen Shutdown in Deutschland geben würde. Auch die Ruhpoldinger Bergbahnen waren natürlich von Corona betroffen. „Als am 18. Mai die Gastronomie wieder öffnen durfte, waren wir guter Hoffnung, dass auch wir den Fahrbetrieb an der Unternberg- und Rauschbergbahn sowie den Betrieb im Rauschberghaus wieder aufnehmen könnten“, erzählt Kerstin Schnaitmann von der Rauschbergbahn GmbH. Leider war dem nicht so. Erst am 30. Mai war der Betrieb von Seilbahnen wieder erlaubt. Es musste vorher ein umfangreiches Hygienekonzept erstellt und viele Änderungen vorgenommen werden. „Die Gondeln der Rauschbergbahn durften erstmals nur mit 35 Prozent, also sieben Personen, ab Mitte Juli dann zehn Personen, besetzt werden. Die begleitenden Gondelschaffner hatten am Tag deshalb schon mal über 90 Berg- und Talfahrten zu bewältigen. Man merkte einfach, dass die Reisefreudigkeit nach dem Shutdown ungebrochen groß war“, erinnert sich Kerstin Schnaitmann, neben dem Marketing auch für die Gastronomie des Rauschberghauses zuständig.

Zum Schutz jedes Einzelnen

Natürlich mussten auch in der Gondel Mund und Nase bedeckt werden, ebenso im Gastrobereich des Rauschberghauses. „Man möchte jetzt glauben, dass es für jeden Menschen ganz normal ist, gesetzliche Bestimmungen zum Schutz eines jeden Einzelnen zu beachten“, findet die Chefin des Rauschberghauses „doch leider wurden wir eines Besseren belehrt. Jeden Tag ärgern wir uns im Rauschberghaus über Ignoranz und Unverschämtheiten. Trotz großer Hinweistafeln und voller Beschilderung, was der Situation entsprechend ist, meinen immer wieder Leute, dass Gesetze für sie nicht gültig sind.“

Gegen ignoranz ankämpfen

Dies betrifft die Abstandsregeln zwischen den Tischen oder die Mund-Nasen-Bedeckung bis zum Sitzplatz. „Wir im Rauschberghaus sind mit unserem Latein am Ende und wissen nicht mehr, wie wir den Leuten noch entgegentreten sollen, damit sie zur Vernunft kommen. Unsere Betriebe waren drei Monate geschlossen und der Verlust ist auf keinen Fall, wie bei vielen anderen auch, mehr aufzuholen. Sollten wir jetzt noch wegen der Ignoranz von Leuten, die sich weigern, eine einfache Mund-Nasenbedeckung, die nicht einmal wehtut, zu tragen, eine Strafe von 25 000 Euro bezahlen müssen, wäre das leider das Aus“, erklärt Kerstin Schnaitmann und beschreibt den alltäglichen Wahnsinn noch genauer: „Man kann sich gar nicht vorstellen, was wir im Rauschberghaus jeden Tag erleben. Wir desinfizieren nach jedem Gastbesuch die Tische. Leider ist es keine Seltenheit, dass Gäste, nachdem sie schon bedient wurden, den Tisch wechseln, weil ihnen ein anderer besser gefällt. Das bedeutet für uns, wir müssen wieder desinfizieren und die Bestellung umbuchen. Warten schon neue Gäste auf einen Tisch, kommt es auch schon mal zum Streit zwischen den Gästen. Im Moment ist es aber ebenfalls schwer, Gruppen oder größere Familien an einem Tisch unterzubringen, da hier die Abstandsregeln zum Nachbartisch nicht eingehalten werden können. Vielen ist das egal und trifft auf völliges Unterverständnis, dass es in der derzeitigen Situation nicht erlaubt ist, Tische und Stühle zu verschieben.“ Ein weiteres tägliches Ärgernis ist das Ausfüllen der Gäste-registrierung. Manche weigern sich lautstark, andere ignorieren diese einfach und wieder andere schreiben irgendwelche Fantasiedaten auf: „Wir haben jetzt für uns beschlossen, dass Gäste bei Weigerung nicht mehr von uns bedient werden, ebenso Verweigerer des Mund-Nasenschutzes.“

Heute wird alles anders

„Wir sind gerne für unsere Gäste da und wir machen diesen Job aus Leidenschaft. Wir haben einen tollen Arbeitsplatz mit einer grandiosen Aussicht. Doch tagtäglich haben wir Gäste, die zu uns kommen, denen es nicht schnell genug geht oder die einfach mit sich und der Welt unzufrieden sind. Leider können wir dafür nichts, und wir haben es nicht verdient, unfreundlich behandelt zu werden. Dabei versuchen wir, jeden Extrawunsch zu erfüllen. Und wenn wir am Abend Müll sammeln gehen, den Gäste achtlos auf unserem Berg hinterlassen haben, und Kaugummis aus Aschenbechern oder unter Stühlen und Tischen rauspuhlen, Toilettenpapier und Papierhandtücher in den Toiletten aufsammeln, weil Gäste es nicht geschafft haben, die Kloschüssel oder den großen Eimer zu treffen, so kommen wir doch jeden Tag wieder frohen Mutes auf den Berg und denken uns: Heute wird alles anders“, versucht die Chefin ihren Alltag und den der Kollegen zu beschreiben und erklärt: „Wir würden uns einfach wünschen, dass unsere Gäste die Zeit auf dem Rauschberg genießen können, schließlich soll Urlaub die schönste Zeit des Jahres sein.“ 

Foto: Ruhpolding Tourismus GmbH; Andreas Plenk